Kleine Klebstoffkunde

 

Im Flugmodellbau arbeiten wir mit den unterschiedlichsten Materialien, die miteinander verklebt werden müssen. Dazu gibt es spezielle Kleber, die alle  verschiedene Eigenschaften haben.
 

Wer war nicht schon einmal vor dem Problem gestanden eine Kabinenhaube auf einen GFK-Rahmen zu kleben, oder eine Flächenaufnahme in eine Fertigfläche, oder eine Rudermaschine in einen Servoschacht, oder ein Rudermaschinenbrettchen in einen Epoxyrumpf, oder das gleiche in einen GFK- Rumpf, oder.....????
Hat man den falschen Kleber benutzt merkt man das spätestens wenn  z.B. die Messingröhrchen  nach dem Zusammenstecken einer Rippenfläche im ersten Rippenfeld klappern.
Ärgerlich ist auch der Abgang einer Kabinenhaube beim Schnellflug in 350m Höhe, peinlich wird’s dann, wenn der Vogel aus unersichtlichen Gründen abmontiert.
Besonders mancher Anfänger, der sich einen Schnellbaukasten gekauft hat und sich noch über die komplette Ausstattung mitsamt der Tube UHU Hart und UHU COLL freut, klebt in seinem Eifer sämtliche Metallteile mit einem dieser Kleber und den Weißleim nimmt er für die ABS-Teile, weil die Bauanleitung nicht richtig gelesen wird.
Aber auch manch alter Hase kommt schon mal ins Grübeln, was für was taugt.
Bei den verschiedenen Leimsorten habe ich nur einige Beispiele aus der Modellbaupraxis aufgezählt. Natürlich kann man z.B. mit Weißleim auch Papier mit Pappe verkleben, oder Laminatboden verlegen, aber das gehört nicht hierher.
 

Weißleim:  +++Ponal Express+++UHU COLL+++

Sehr gute Verbindung aller Holzsorten untereinander sowie mit Styropor.
Kann auch mit 1/4 Wasser verdünnt verwendet werden, wenn es auf geringes Baugewicht ankommt. Ich klebe mit verdünnten Weißleim die Holmverkastungen zwischen die Rippen, auch gut geeignet die Rippenaufleimer aufzubringen. Bei Styroporflächen (ohne Beplankung) können die Nylonscharniere aufgeklebt werden.
Bei Ponal Express kann die Klebestelle ca. 1 Minute ausgerichtet werden. Nach 5 Minuten wird der Kleber fest und härtet je nach Dicke der Klebestelle in ca. 4 Stunden aus.

Im Holzmodellbau da zu empfehlen wo hohe Belastungen auftreten: Rippen auf Holme im ersten Drittel, sowie Wurzelbeplankung.
Nasenleisten können sehr gut verklebt werden. Die Klebestelle beim Verschleifen in Faserrichtung abziehen, damit keine Überhöhung stehenbleibt.

Nicht geeignet für Kunststoffe und Metalle !
 

Schaumkleber: +++PU-Kleber+++Presto Dur PU 55+++BELI-ZELL+++

Klebt ziemlich alles.
Sehr gute Verbindung aller Holzsorten untereinander sowie mit Styropor.
Der Kleber wird einseitig dünn aufgetragen und härtet je nach Luftfeuchtigkeit in 1 bis 4 Stunden unter Schaumbildung aus. Die zu verklebenden Teile müssen gut gegen Verrutschen gesichert werden. Für eilige Verklebungen wird eine Klebefläche angefeuchtet.

Beste Verklebungen von Styropor. Durch die Schaumbildung wird auch in den Hohlräumen eine gute Haftung erreicht. Bowdenzüge, Rumpfspanten und Verstärkungen werden "passgerecht" verleimt. Auch so manches Kleinteil, bei dem man nicht unbedingt 5-Minuten Epoxy anrühren will, wird sicher verklebt.

Geeignet für Styropor !
 
 

Hartkleber: +++UHU HART+++Rudol 333+++Greven Hart+++

Klebt alle Holzsorten, Nylonbandscharniere sowie ABS Kunststoffe.
Ist leichter als Weißleim, zieht aber nicht so tief in das Holz ein.
Die Klebestelle kann ca. 30 Sekunden ausgerichtet werden. Nach 1 Minute wird der Kleber fest und härtet je nach Dicke der Klebestelle in ca. 1 Stunde aus.

Hartkleber kann zum Einleimen von Rippen oder Spanten, aufkleben von Rippenaufleimern und kleineren Beplankungsstücken verwendet werden.
Der Kleber für ABS-Teile untereinander, sowie mit Holz.
Wie erkennt man ABS Kunststoff? Einen kleinen Tropfen Hartkleber auf ein Reststück geben, 1 Minute warten, wenn man den Kleber mit dem Fingernagel wegschiebt und die Farbe des Kunststoffes mit unterm Nagel ist, dann ist es ABS. Dort wo der Tropfen war ist dann eine Vertiefung, weil Hartkleber ABS anlöst.
Deshalb den Kleber auf ABS sparsam verwenden, sonst kann es passieren daß sich dünne Kunststoffteile auflösen.

Nicht geeignet für PVC, Styropor und Metalle !
 

Kontaktkleber: +++Pattex+++Greenit+++UHU Kontakt+++

Klebt ziemlich alles.
Muß beidseitig aufgetragen werden. Nach einer Ablüftzeit von ca. 5 Minuten werden die zu verklebenden Teile dann zusammengepreßt. Dabei ist nicht die Dauer, sondern die Stärke des Pressdruckes für die spätere Belastbarkeit maßgebend.
Die einmal miteinander in Kontakt gebrachten Teile können nicht mehr ausgerichtet werden.
Kontaktkleber kann mit Ethylacetat (Essigester) klumpenfrei verdŁnnt werden.

Ich  verwende verdünnten Kontaktkleber zum Aufbringen von Beplankungen und großflächigen Verstärkungen aller Art.

Nicht geeignet für  Styropor und Metalle !
 

Kunststoffkleber: +++UHU Allplast+++

Universalkleber für Kunststoffe.
Einseitiger Leimauftrag bei glatten Flächen. (Bei porösen Flächen vorher beidseitig auftragen und ablüften lassen.) Teile nach Leimauftrag sofort zusammenfügen. Klebt alle möglichen Sorten Kunststoffe durch anlösen der Oberflächen. Bei dünnen Teilen vorher ausprobieren, ob die Teile nicht verformt werden.

Ich verwende den Kleber für Kabinenhauben mit Holz- oder GFK Rahmen.

Nicht geeignet für PE-Folien und Styropor !


Wasserleim:
  +++Glutofix+++oder jeder gebräuchliche einfache Tapetenkleister+++

Klebt Papier auf Holz oder Styropor.
Das Pulver wird mit Wasser zu einem dickflüssigen Leim angerührt.

Dieser Kleber eignet sich hervorragend für Papierbespannungen mit Japanpapier auf den vorher mit Porenfüller grundierten Rippen- oder Vollflächen, sowie Holzrümpfen.

Nicht geeignet für die Verklebung von Holz, Kunststoffen und Metallen !
 

Sekundenkleber: +++Zacki+++Sanara+++Ropid+++und wie sie noch alle heißen+++

Werden vom erfahrenen Modellbauer eingesetzt um in Rekordzeiten fliegende Kisten in die Luft zu bekommen.
Klebt alle Holzsorten und manche Kunststoffarten. Manche klare Kunststoffe bekommen weiße Schlieren. Besonders gut für leichte Balsaholzverbindungen.
Die Klebestelle kann nicht ausgerichtet werden. Klebt schneller als man denkt!
Bei der Verarbeitung gut lüften.

Vorsicht
Klebt sekundenschnell Finger und Augenlider zusammen!

Nicht geeignet für Styropor , manch klare Kabinenhauben und Metalle !
 

Klebeharze: +++Stabilit Express+++UHU PLUS+++Devcon+++5-Min. Epoxy+++Multipoxy+++

Diese Kleber müssen vor Gebrauch aus 2 Komponenten, Harz und Härter zusammengemischt werden. Sie kleben Holz mit Metallen, Epoxy-, Polyesterteilen (Fertigrumpf), Kohlefaserstoffen und manchen Kunststoffen, sowie die Werkstoffe untereinander.

Unterschied Epoxy - Polyester : Ein Gfk-Teil auf Epoxydharzbasis bleibt nach dem Anschleifen nahezu geruchlos, während ein Polyesterharzteil wie Autospachtel riecht.
 

Stabilit Express:

Klebt alle Holzsorten, Metalle ,Polyesterharzteile, sowie ABS Kunststoffe.
Die Kleber muß innerhalb von 10 Minuten verarbeitet werden. Nach 15 Minuten wird der Kleber fest und härtet in ca. 30 Minuten aus.
Die Klebestelle ist sehr hart.

Beim Kleben mit ABS- Kunststoffen und Polyesterharzteilen mit irgendwas hat dieser Kleber eindeutig die Nase vorn. Er ist mit den Hartklebern derjenige, der ABS „anlöst“. Siehe Abschnitt Hartkleber!
Der Kleber füllt kleinere Risse und Spalten aus.

Nicht geeignet für Styropor !
 

5-Min. Epoxy, Devcon:

Klebt alle Holzsorten, Metalle und Epoxydharzteile.
Die Kleber muß innerhalb von 2 Minuten verarbeitet werden. Nach 5 Minuten wird der Kleber fest und kann nach 20 Minuten bedingt belastet werden. Er härtet in ca. 1 Stunde aus.
Die Klebestelle ist fest, bleibt jedoch „elastisch“.

Dieser Kleber ist eigentlich für fast alles was nicht so bombenfest halten muß und wird bei mir z.B. bei Fertigrümpfen verwendet um Holzspanten einzukleben. Angerauhte Ruderscharniere, Kabinenhaubenverschlüsse, Messingrohre und all die kleinen Sachen, die nicht so recht fixiert werden können werden mit Ihm geklebt.
Meine Lieblingsbeschäftigung ist es gewisse Bauteile so lange mit der Hand zu halten, bis der Kleber fest wird. Mit Microballons verdickt eine schnelle Spachtelmasse.

Geeignet für Styropor !
 

UHU PLUS Endfest 3000:

Klebt alle Holzsorten, Metalle und Epoxydharzteile.
Der Kleber muß innerhalb von 1 Stunde verarbeitet werden. Je nach Umgebungstemperatur härtet er dann zwischen 20 Minuten bei 120 °C und 12 Stunden bei 20 °C aus.
Die Klebestelle ist sehr fest, bleibt jedoch „elastisch“.

Ich klebe vorwiegend Flächenaufnahmen, Motorspanten, Fahrwerke, ect. mit diesem Kleber.
Halt alles was bombenfest halten muß. Eine Erwärmung der Klebestelle auf  40 Grad verkürzt die Härtezeit bereits auf 3 Std. und erhöht die Belastbarkeit auf 1800 N/cm2.

Geeignet für Styropor !
 

Multipoxy Epoxydharz:
 

Ist mit verschiedenen Härtersorten sehr universell verwendbar. Es gibt folgende Härtertypen:
5, 20 und 40 Minuten Verarbeitungszeit. Die Mischung : Härter 5   2:1; die anderen 10:4. Härtezeit jeweils 12 Stunden.

Harz wird glashart, eignet sich zum Kleben von Nasenleisten an Fertigflächen, zum laminieren kleinerer Glasmatten und Kohlestreifen (Verstärkungen).

Geeignet für Styropor !
 

Silikonkautschuk
 

Gibt es in verschiedenen Farben in Kartuschen, oder als dünnflüssigen Kleber in Tuben. Härtet über Nacht mit Hilfe der Luftfeuchtigkeit aus.

Man glaubt gar nicht für was man das alles nehmen kann! Mit normalem Silikon vom Baumarkt kann man z.B. Blei fixieren, Rudermaschinenbrettchen in Fertigrümpfe einkleben oder mit einem Tropfen die Querrudermaschine in den Servoschacht einer Styroporfläche fixieren. Ich klebe meine Querruderservos prinzipiell mit Silikon fest. Mit einem scharfen Messer kann man das getrocknete Silikon problemlos durchtrennen und kann so im Falle eines Falles die Rudermaschine wieder entfernen.
Kabinenhauben können mit der dünnflüssigen Variante auf die unterschiedlichsten Haubenrahmen, sogar auf  Messing- oder Federstahlkonstruktionen geklebt werden.

Geeignet für Styropor !

Die Klebeharze und Silikon haben aber auch einen gemeinsamen Nachteil.
Sie sind schwer.

Für eine gute Verbindung  müssen die zu verklebenden Teile absolut fettfrei sein. Die Klebestellen sollten auf jedem Fall vorher aufgerauht werden.

Nicht die Menge des Klebers , sondern die richtige Anwendung ist für die Festigkeit zuständig.
 
 

Wie Eingangs erwähnt ist das nur eine kleine Auswahl von Klebebeispielen, aber ich hoffe dem Einen oder Anderen hierdurch weitergeholfen zu haben.
 

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